Die Tempel von Angkor / 2

Auf dem Roller, der neben mir hielt als ich gerade zum nächsten Tempel laufen wollte, saßen 2 junge Frauen. Ich hörte gerade Goa, wie auch während der vielen anderen Kilometer die ich zurück gelegt hatte und machte die Musik aus.
Ich wurde gefragt ob ich ein Problem mit meinem Transport habe oder wieso ich laufe. Sie wollte mich dann zum nächsten Tempel fahren und wir unterhielten uns, primär eine von ihnen, weil sie gut englisch sprach, und ich. Sie sagte, dass sie es mutig fände, alleine rumzulaufen, obwohl die von hier sei, nicht wegen einem speziellen Grund sondern einfach so.
Und dann fragte sie ob ich mich ihnen anschließen wollte und ich hab das dann einfach gemacht. Ich hab viel gefragt und über die Kultur erfahren. Irgendwie war es schon immer mein Wunsch, ganz ungezwungen mit einheimischen zu reden. Es ging um Umweltschutz, Politik, Armut, homosexualität, Familie und Arbeit. Richtig interessant und hat mich voll gefreut und überrascht, dass sie so offen war.
Wir haben zusammen Fotos gemacht und den „Neak Pean“ besucht, um dort hin zu kommen ging es über einen langen Holzsteg, über Wasser aus dem lauter tote Bäume ragten.
Da haben wir dann auf eine weitere Freundin gewartet, die schon 27 ist. Die anderen waren 20,21 und über mein alter ganz erstaunt.
Die Gespräche haben mir eine ganz andere sicht ermöglicht, zum Beispiel auf die Arbeit im Souvenirshop.
Als die andere Freundin kam, haben wir zusammen noch einen letzten Tempel besucht: preah khan. Das war beeindruckend weil die Abendsonne wieder dieses spezielle licht auf die vermosten Steine fallen lassen hat, außerdem gab es im Tempel viele unaufgeräumte steinhaufen, die auch faszinierend aussahen. Sie haben mich dann noch mitgenommen in einen kleinen Gang, wo am Ende eine kleine gebetsstätte war. Eine von ihnen zündete 5 Räucherstäbchen an, sagte irgendwas, was ich nicht verstand und dann wurde mir ein Räucherstäbchen gegeben und auf englisch gesagt, dass jede jetzt für sich was wünschen soll, beziehungsweise beten soll.
Das war so rührend, dass mir fast die Tränen kamen.
Zurück ging es dann gegen 4, sie wollten essen gehen und ich hab mich ihnen angeschlossen. Wir sind koreanische Nudeln essen gegangen, anscheinend die besten in der Stadt. Es war etwas scharf obwohl ich nicht scharf bestellt hatte, aber lecker! Eine von ihnen hatte netterweise für mich bestellt.
Als wir mit essen fertig waren wurde noch viel gelacht und das hat sich so gut angefühlt alles, ich bin so unfassbar dankbar. Sie wollten mich dann unbedingt noch zum Hostel fahren, wo wir uns verabschiedet haben.

Ich hab mich dann nochmal mit Gin verabredet und wir waren essen in einem echt süßen Restaurant.
Geleitet Von einer selbstbewussten, eigenständigen Frau, die sich um ihre Mutter kümmert, die immer noch unter den Erlebnissen der roten Khmer Regierung in den 70ern leidet.
Das Restaurant versucht es plastikfrei und bietet auch vegane Optionen.
Nach langen hin und her überlegen, werden wir morgen mit 2 anderen Menschen mit dem Bus nach Battambang fahren, eine Stadt die circa 3h entfernt liegt.

Die Tempel von Angkor / 1

Ich hatte mir den Wecker gestern Abend auf 4.20 gestellt. Und ich bin wieder überrascht von meiner inneren Uhr, aber ich bin um 4.19 aufgewacht!
Ich hab mich also angezogen und bereit gemacht, um in einen langen Tag zu starten.
Gin und ich sind dann gegen 5 mit einem tuktuk zu den Tempeln von Angkor gefahren worden. Es war sehr sehr viel los, obwohl es noch stockdunkel war und wir die Sterne sehen konnten. Da die Sonne im Osten aufgeht, schauen sich die meisten tourist*innen den Sonnenaufgang von der Westseite des Angkor Wat Tempels an.
Wir haben uns auf die Ostseite fahren lassen und sind dann zum Tempel gelaufen und haben uns direkt davor auf die Wiese gesetzt, um bananenchips essend dem orangegefärbten Himmel hinter dem Tempel zuzuschauen. Es wurde hell und die Schwalben fingen an zu fliegen und dann sahen wir auch die tourimassen vor den Teichen, die vor dem Tempel liegen.
Wir haben nach einer kurzen Runde durch Angkor wat genug davon gesehen und haben uns noch ein Frühstück gegönnt. Es war teuer, aber ich hab es auch nicht eingesehen, 3 Mahlzeiten mit mir rumzuschleppen und irgendwie war mir das auch egal. Natürlich hätte ich es besser planen können, aber es war gut so, wie es war.
Es gab dann ein bisschen Diskussionen weil Gin müde war und nicht viel laufen kann und ein bisschen überfordert war.
Aber nachdem wir kleine hundebabys gestreichelt haben war die Welt wieder in Ordnung und wir sind ein ganzes Stück bis zum nächsten Tempel gelaufen.
Währendessen war der Marathon voll im Gange und wir liefen gegen den strom und schauten in alle möglichen Gesichter. Es war schön, vielfältig, Menschen mit ganz unterschiedlichen Figuren, auch welche im Rollstuhl, das war echt toll und hat mich an das Jog on Buch erinnert, das ich auf langkawi gelesen hatte.
Am nächsten tempel (phnom bakheng) hat Gin unten auf mich gewartet und ein nickerchen gemacht. Ich bin auf einen Hügel gelaufen und hab da auch nochmal Angkor wat von oben erkennen können.
Weiter ging es dann zum Bayon, ein Tempel mit ganz vielen Gesichtern, der schaurig aber prachtvoll aussah. Es war leicht bewölkt und kein super gutes Licht zum fotografieren. Aber um so mehr hab ich versucht, das alles einfach für mich zu erleben. Affen liefen vor dem Tempel rum und Gin hat sich nochmal ausgeruht, während ich noch baphuon, phimeanakas und die elefantenterasse angeschaut habe und einen geocache gefunden habe.
Dann haben wir uns doch noch ein Tuktuk andrehen lassen.

Ich persönlich hätte mir vorgenommen das zu Fuß zu machen, auch wenn ich wusste wie weit die Entfernungen sind. Aber ich musste 37$ Eintritt zahlen, von denen nicht mal 2$ für die Restaurierung verwendet werden, das meiste geht an die Regierung und sind Bestechungsgelder. Und dann will ich nicht auch noch 18$ für Touren ausgeben, bei denen ich nur sehe, was alle sehen.
So hab ich die Tempelanlage von einer anderen seite kennenlernen können, von „weite“ Entfernungen gelaufen, aber hab einen Eindruck bekommen und ich war mit Sicherheit an Orten, wo sonst selten ein touri hinkommt.

Der tuktukfahrer hat uns zu „Ta Prohm“ gebracht, den Tempel wollte Gin noch Sehen, bevor es für Gin wieder zurück ging. Ta Prohm ist besonders, weil dort die Wurzeln der Bäume in die Gemäuer eingewachsen sind. Das sieht echt wunderschön, mächtig und unbeschreiblich aus.
Danach ging es für mich alleine weiter. Ich lief zu „banteay kdei“, wo ich mir ein bisschen Ruhe gegönnt hab und mich an einen ruhigen Ort setzte und die Ruhe genoss. Dann hab ich noch ein bisschen gezeichnet, ich dachte ich würde noch öfter dazukommen, aber so war es dann doch nicht. Ich hab mich dann kurz mit einem local unterhalten, der mir erzählte er wohne gleich da hinter dem Tempel und wurde da auch geboren.
Es ist interessant, darüber hatte ich nie nachgedacht, es wohnen Menschen auf dem Gelände für das ich 37$ Eintritt zahlen muss. Sie führen dort ein „ganz normales“ leben und müssen wohl irgendwie mit den vielen touris leben.

Der Tempel strahlte für mich irgendwie Ruhe aus, obwohl er anscheinend mal als grässliches Gefängnis genutzt wurde.
(Über die Geschichte hab ich mich tatsächlich noch gar nicht informiert, kommt noch)
Danach lief ich direkt auf ein Gewässer zu, „srah srang“, an dem ich vorbei lief und ein paar Kilometer durch scheinbar ganz normale Wohngegend und an Reisfeldern entlang.
Angekommen bei „pre rup“ würde ich erstaunt von dem Kartenkontrollör gefragt, ob ich etwa gelaufen bin!?
Und als ich ihm sagte, dass ich vermutlich auch zurück laufe, war er echt ganz schön baff.
Ich hab mir dann auch diesen Tempel angeschaut, da konnte ich draufsteigen und noch einen geocache finden.
Ich hab mir dann Gedanken über das Zeitmanagement gemacht und was ich noch sehen will und wie lange ich in welche Richtung laufen sollte, und mich dann entschieden noch einen Tempel im Norden zu sehen und dann zurück zu laufen.
Ich lief also die Straße entlang, entdeckte noch ein angelegtes Gewässer zwischen Bäumen und Reisfeldern und dann hielt neben mir ein Roller.